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Wer im Usenet unter einem Pseudonym schreibt, wird bald erleben, daß man ihn aufgefordert, statt des Pseudonyms seinen richtigen Namen zu verwenden. Nicht selten kommt es nach einer solchen Aufforderung zu langen Diskussionen zwischen dem pseudoymen Poster und dem Einforderer, die manchmal sogar in einem regelrechten Streit enden.
Auf Seiten der Befürworter und Einforderer des Realnames argumentiert man oft mit der Kirchwitz-Netiquette und daß es höflich sei, deren Empfehlungen einzuhalten. Tatsächlich empfiehlt die alte Kirchwitz-Netiquette das Verwenden des wirklichen Namens. Diese Webseite widmet sich dem Thema real name und Kirchwitz-Netiquette und möchte aufzeigen, daß die alte Kirchwitz-Netiquette bei näherem Betrachten als Argument für die Verwendung eines real names ungeeignet ist. Schauen wir uns zunächst an, was die (de.) Kirchwitz-Netiquette zu dem Punkt real name sagt: |
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14. Benutzen Sie Ihren wirklichen Namen, kein Pseudonym! In der Mailboxszene und bei einigen Internet-Anbietern verbergen die Nutzer ihre wahre Identität hinter einem Pseudonym und schreiben manchmal Dinge, die sie sich sonst nicht erlaubt hätten. Aufgrund der negativen Erfahrungen, die viele Leute im Netz mit den Trägern solcher Pseudonyme gemacht haben, sollten Sie Ihre Artikel mit Ihrem wirklichen Namen ("real name") versehen. In einigen Newsgruppen, in denen es um sehr sensible Themen geht (zum Beispiel sexuelle Gewohnheiten etc.), werden Pseudonyme bzw. Artikel, die über sogenannte Anonymous-Remailer (auch "Anon-Server" genannt) gepostet wurden, in Ausnahmefällen geduldet. Pseudonyme bzw. Anonymous-Remailer bieten übrigens keinen Schutz, wenn man dem Netz oder seinen Teilnehmern schaden oder wenn man Straftaten begehen will. Wie bei den meisten elektronischen Medien ist im Ernstfall eine nachträgliche Rückverfolgung möglich. |
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In der Mailboxszene und bei einigen Internet-Anbietern verbergen die Nutzer ihre wahre Identität hinter einem Pseudonym und schreiben manchmal Dinge, die sie sich sonst nicht erlaubt hätten. Aufgrund der negativen Erfahrungen, die viele Leute im Netz mit den Trägern solcher Pseudonyme gemacht haben, sollten Sie Ihre Artikel mit Ihrem wirklichen Namen ("real name") versehen. Spätestens nach dem zweiten Durchlesen erkennt man, daß sich die Kirchwitz-Netiquette nicht gegen das Benutzen eines Pseudonyms ausspricht, sondern gegen die mißbräuchliche Verwendung desselben. Die Verwendung eines Pseudonyms ist per se kein kritikwürdes Verhalten!
Andererseits steht auch außer Frage, daß es in Ermangelung ernsthafter Sanktionen auch zahlreiche Autoren gibt, die unter ihrem echten Namen Dinge äußern, die sie besser nicht geschrieben hätten. Die Fehltritte im Usenet sind daher wohl eher auf den Charakter des jeweiligen Autoren zurückzuführen, als auf dessen Username. Daß die Anonymität eine enthemmende Wirkung auf den Autoren haben kann, soll an dieser Stelle natürlich nicht bestritten werden. Dies muß aber nicht in jedem Fall ein Nachteil sein, sondern kann durchaus eine wertvolle Bereicherung darstellen.
Nun gibt die Kirchwitz-Netiquette, die einerseits die Vorurteile verbreitet auf der anderen Seite gleich den Tip, sich
diesen Vorurteilen erst gar nicht auszusetzen, indem man den echten Namen benutzt. Eine nicht zu
durchbrechende und vielleicht wohldurchdachte Rekursion! Leider wird die Sonderstellung des Punktes 14 der Kirchwitz-Netiquette oft nicht erkannt. Viele User glauben deshalb, die real name-Empfehlung bediene in erster Linie ihr Höflichkeitsempfinden als Leser und machen zudem den Fehler, den Umkehrschluß zu ziehen, die Nichteinhaltung der real name-Empfehlung sei deshalb Unhöflich. |
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Sicher ist das folgende Beispiel nicht zu 100% passend. Als Motorradfahrer kann ich aber ein Lied davon singen und ich verwende absichtlich fast die gleiche Terminologie der NQ: Tragen Sie gewöhnliche Kleidung! Viele Leute haben die Erfahrung gemacht, daß Menschen, die Lederbekleidung tragen, gewalttätig sind und Dinge tun, die sie in normaler Kleidung sonst nicht tun würden. Benutzen Sie daher keine Lederbekleidung, sondern ziehen sie am besten konventionelle Kleidung an. Liest man nur die Überschrift Tragen Sie gewöhnliche Kleidung! dann würde man jemanden, der sich über die (vermeintliche) Anweisung hinwegsetzt und dennoch Lederbekleidung trägt, tatsächlich als unhöflich empfinden. Der Sinn erschließt sich aber im Text. Niemand käme wohl auf den Gedanken, jemandem, der lediglich zu seinem eigenen Schutz Lederbekleidung trägt, unhöfliches Verhalten vorzuwerfen.
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Es kann aber kaum unhöflich sein, einen eigenen Vorteil nicht für sich zu nutzen. Das widerum verbietet aber auch einen etwaigen Umkehrschluß, daß alleine schon das Schreiben unter einem Pseudonym in Bezug auf die Kirchwitz-Netiquette unhöflich sei. Man darf also feststellen, daß die Kirchwitz-Netiquette den Realname weder um des Realnames Willen empfiehlt, noch aus Gründen der Höflichkeit. Trotzdem wird selbst von Seiten erfahrener Regulars bei der Einforderung des Realnames ständig auf die alte Kirchwitz-Netiquette verwiesen. Hierzu ein Beispiel, die entsprechende Passage ist hell unterlegt:
Ich weiß, daß der folgende Vorschlag nicht viele Freunde gewinnen wird weil der Realname noch immer "erwartet" wird. Er wäre jedoch geeignet, eines der dringlichsten Probleme des Usenet zu entschärfen oder sogar zu beseitigen.
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14. Mißbrauchen sie nicht ihr Pseudonym!
In der Mailboxszene und bei einigen Internet-Anbietern verbergen die Nutzer ihre wahre Identität hinter einem
Pseudonym und schreiben manchmal Dinge, die sie sich sonst nicht erlaubt hätten. Aufgrund der negativen
Erfahrungen, die viele Leute im Netz mit den Trägern solcher Pseudonyme gemacht haben, sollten Sie Artikel,
die Sie unter einem Pseudonym veröffentlichen, mit besonderem Bedacht schreiben. |
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Abschließend sollte noch Erwähnung finden, daß die internationale Netiquette (RFC
1855
Übersetzt: Respektieren Sie den Wunsch des Autoren nach Anonymität, wenn dieser einen Decknamen oder ein Pseudonym benutzt. Auch und Gerade wenn Sie mit dieser Person befreundet sind, ist es höflicher, sie trotzdem mit dem gewünschten Pseudonym anzusprechen. Benutzen Sie den wirklichen Namen dieser Person niemals ohne ausdrückliche Erlaubnis. |
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