Wenn Sie vorhaben, im de.*-Usenet unter einem Pseudonym aufzutreten, dann werden Sie auf heftigen Wiederstand stoßen. Man sagt, es sei höflich, unter dem sogenannten Realname, also dem standesamtlich eingetragenen Namen, zu schreiben. Das ist auch der Grund, weshalb Sie z.B. in de.newusers.questions kaum objektive Argumnente für das Schreiben von Nachrichten unter einem Pseudonym finden werden. Aber die Verwendung von Pseudonymen stellt neben der Kryptographie eine der wichtigsten Möglichkeiten des Selbstschutzes in offenen Netzwerken dar; da sie darauf zielt, möglichst wenig persönliche Daten preiszugeben.

  1. Einleitung
  2. Die Kopfzeilen eines Usenetartikels
  3. Datenbank Usenet und Systemschnittstellen
  4. Weshalb Anonymität?
  5. Definition Pseudonymität / Anonymität
  6. Anonymität im Usenet
  7. Das Pseudonym im Usenet: Tips
  8. Vor- und Nachteile eines Pseudonyms
  9. Warnung
  10. rechtliche Grundlagen

Einleitung

usgehend davon, daß Sie sich bereits mit der Thematik beschäftigt haben, erübrigt es sich wohl, nochmals explizit darauf hinzuweisen, daß das Usenet ein öffentliches Medium ist. Artikel die Sie hier veröffentlichen, werden u.U. weltweit verbreitet und von einer nicht zu beziffernden Anzahl von Menschen gelesen. Während Sie also im Lauf der Zeit eine Vielzahl von Informationen über sich preisgeben und identifizierbar sind, bleibt Ihnen Ihr Leserkreis völlig unbekannt. Darüberhinaus werden Ihre sämtlichen Beiträge archiviert und können in ihrer Gesamtheit jederzeit und von Jedermann bequem über eine Suchmaske abgefragt werden.

Beiträge, die Sie ins Usenet stellen, bestehen keineswegs nur aus dem sichtbaren Text, sondern beinhalten Identifizierungskomponeneten, die Ihnen Ihre Software im der Standardeinstellung nicht anzeigt. Mit wenigen Mausklicks oder Tastendrücken (Bei Outlook-Express gleichzeitiges Drücken von CTRL und F3) können diese Daten, die sogenannten Header oder auf deutsch Kopfzeilen jedoch zur Anzeige gebracht werden.

Die Kopfzeilen eines Usenetartikels

ewsbeiträge bestehen aus zwei Komponenten: Den Kopfzeilen (auch Header genannt), die Informationen enthalten, die für die korrekte Zuordnung und Verteilung des Beitrags erforderlich sind, aber auch Zusatzinformationen enthalten und dem eigentlichen Text ihrer Nachricht, auch Body genannt. Damit möglichst alle Newsreader und alle Server mit Ihren Beiträgen umgehen können, hat man Standards geschaffen, die beschreiben, wie die Kopfzeilen einer Nachricht beschaffen sein müssen, bzw. welche Einträge unbedingt erforderlich sind. Diese Standards sind in der RFC (Request for Comments) 850 und RFC1036 festgelegt.

Hier sehen Sie ein Beispiel für die Kopfzeilen einer Nachricht. Die Daten wurden natürlich leicht verändert, um die Identität nicht bloßzustellen. Die wichtigen Merkmale sind hervorgehoben:

From:  inge.muck@t-online.de  (Inge Muck) 
Newsgroups: de.soc.netzkultur.umgangsformen
Subject: Re: Schon wieder dieses Thema!
Date: Tue, 05 Feb 2002 08:20:07 GMT
Organization:  Inges  Supportcenter 
Lines: 70
Message-ID: <3c5g9132.7031980@  news.btx.dtag.de >
References: <pl0u7ugcgt4ut92fg2scal5u522od9qpnt@4ac.com>
Mime-Version: 1.0
Content-Type: text/plain; charset=ISO-8859-1
Content-Transfer-Encoding: 8bit
X-Trace: news.t-online.com 1022897242 08 1396 EIkPT0FSs-756 0205 08:21:32
X-Complaints-To: abuse@t-online.com
X-Sender:   420061129286-0001@t-dialin.net 
X-Newsreader: Forte Free Agent 1.21/32.243
Path: t-online.de!news.t-online.com!not-for-mail
Xref: barkeeper.bc-koeln.de de.soc.netzkultur.umgangsformen:19494

ie Headereinträge, die man zur Identifizierung des Absenders heranziehen kann, sind in dem obigen Beispiel hervorgehoben. In der From-Zeile sehen sie den Namen des Absenders. Diesen Namen hat der Absender bei der Konfiguration seines Newesreaders selbst eingegeben. Die From-Zeile enthält zudem die E-Mail Adresse des Absenders. Auch diese Angabe wurde vom Absender selbst gemacht. Allerdings kann hier nicht immer "irgendeine" E-Mail Adresse eingetragen werden. Manche Provider (Anbieter des NNTP-Diestes) gestatten nur die Verwendung gültiger E-Mail Adressen. Sollten Sie bei der Konfiguration Ihres Newsreaders ihren wirklichen Namen in das From-Feld eingegeben haben, ist es natürlich nicht schwer, diesen Namen mit anderen Datenbanken wie Telefon-CD's oder entsprechenden Online-Angeboten abzugleichen. Je ausgefallener Ihr Name, desto einfacher und eindeutiger ist natürlich auch die Recherche.

Die sogenannte Message-ID ist eine Kennung, die einen Newsbeitrag unverwechselbar kennzeichnet. Diese Kennzeichnung ist so individuell, daß es unter normalen Umständen weltweit keinen zweiten Usenetartikel gibt, der die dieselbe Kennung trägt. Das ist wichtig, damit Antworten darauf eindeutig zugeordnet werden können. Die Message-ID besteht aus einer stets neu generierten Zeichenfolge auf der linken Seite, gefolgt von dem typischen @-Symbol und einer Domainkomponente auf der rechten Seite, die nach RFC 1036 den Server benennen sollte, über den die Nachricht ins Netz gelangte. Beispiel:  <3c5g9132.7031980@news.btx.dtag.de> 

Wenn Sie einen eigenen lokalen Newsserver auf Ihrem PC istalliert haben, z.B. den Hamster oder Leafnode oder einen Newsreader, der das unterstützt, haben Sie die Möglichkeit, die Message-ID innerhalb der geltenden Regeln selbst zu erzeugen. Auf der rechten Seite der Message-ID, also dem Domainpart könnten Sie dann z.B. auch Ihre eigene Domain benutzen, falls Sie Besitzer einer solchen sind. Das sollten Sie allerdings unter keinen Umständen tun, wenn Sie Ihre Usenetartikel unter einem Pseudonym veröffentlichen wollen, da Ihre Domain ja registriert ist und Ihre Daten im Web von jedermann abrufbar sind (siehe Tips).

Die Kopfzeile X-Sender enthält in diesem Beispiel die extakte Kennung des Absenders der Nachricht, wie sie beim Provider (hier T-Online) geführt wird. Diese Kennung ist im günstigsten Fall nur eine nichtssagende, interne Kundennummer. Früher war es bei T-Online jedoch üblich, daß diese Nummer die  reale Telefonnummer  des Telekomkunden war. Noch heute sind viele User mit derartigen Konfigurationen im Usenet anzutreffen. Als T-Online Kunde, sollten Sie hierauf ein besonderes Augenmerk richten.

Wenn Sie den Webspace von T-Online für die Präsentation ihrer Homepage nutzen, so ist ihre Homepage unter dieser Kennung (X-Sender oder auch dem Namen) wie sie in den Headern Ihrer Newsbeiträge stehen, abrufbar. Das bedeutet, daß ein direkter Bezug zwischen Ihren Newsbeiträgen und ihrer Homepage hergestellt werden kann. Darüberhinaus stellt T-Online eine HTML-Seite namens .impressum.html zu Ihren Seiten in das Internet, die eine sogenannte Anbieterkennung enthält. Hier sind ihre persönlichen Daten (Adresse, Telefonnummer) abrufbar!

 http://home.t-online.de/xxxx/.impressum.html 

Wenn Sie xxxx im obigen Beispiel durch Ihre Sender Kennung X-Sender ersetzen, werden Sie Ihre Daten zu Gesicht bekommen. Hier ein Beispiel. Achten Sie deshalb unbedingt darauf, daß Sie keine private Homepage über den Webspace von T-Online im Internet anbieten, wenn Sie den Online-Zugang von T-Online auch für das Usenet benutzen wollen!

Der Header NNTP Posting Host verrät, über welchen Provider Sie ihre Nachricht in das Usenet gesendet haben. Es handelt sich bei dieser Angabe enteweder um den Anbieter im Klartext, oder um die IP-Adresse, die Ihnen Ihr Anbieter für die jeweilige Sitzung dynamisch zugewiesen hat. Anhand dieser Daten kann man Ihren Provider ermitteln. Bei großen, überregionalen Anbietern mit vielen hunderttausend Kunden ist diese Information nicht sehr Aussagekräftig. Kleinere Anbieter jedoch, die ihre Dienste nur regional oder einem sehr begrenztem Publikum anbieten, grenzen die Identität des Autors u.U. stark ein.

Den Provider ermittelt man im Internet beispielsweise mit Diensten wie ripe.net oder nick.de. In die Suchmasken dieser Dienste kann man entweder die vierteilige IP-Adresse eingeben ( z.B. 192.76.176.9 ) oder den Klartext deneb.dfn.de.  Resultat der Suche ist ein ausführliches Datenblatt des Providers, welches Namen und Anschrift, meist auch Telefonnummer und E-Mail-Adresse des zuständigen Ansprechpartners beim Provider preisgibt.

X- Header sind übrigens Einträge, die nicht standardisiert sind und Zusatzinformationen beinhalten, die der reinen Information dienen oder aber auch von einer Software ausgewertet werden können.

Datenbank Usenet und Systemschnittstellen

eiträge, die über einen Newsserver in das Datennetz Usenet geladen werden, verteilen sich automatisch von Server zu Server. Entsprechende Software regelt den Datenempfang und -abgleich. Je nach Kapazität und Auswahl des Betreibers eines Servers kann das Angebot auf bestimmte Gruppen und Hirachien beschränkt sein. Auch die Zeit, wie lange ein Betrag auf dem Server gehalten wird, ist abhängig davon, wie groß die Kapazitäten sind, aber auch davon, ob auf einen Beitrag noch Antworten eintreffen.

Newsreader bieten heute oft sehr ausgeklügelte Suchalgorithmen an, mit denen man auf einem Server nach bestimmten Merkmalen suchen kann. Dies können bestimmte Namen oder auch Stichworte oder andere Kriterien sein.

Darüberhinaus gibt es noch Dienste im Internet, die über eine systemübergreifende Schnittstelle Zugang zum Usenet erlauben und in der Gegenrichtung Inhalte der Newsserver auf HTML-Basis anbieten. Fast jedes sogenannte Web-Portal wie z.B. Web.de oder Compuserve bieten Zugriff auf das Usenet über HTML.

google-logo Google Groups ist ein weiteres sogenanntes Web-Interface, welches darüberhinaus sämtliche Beiträge dauerhaft archiviert und diese Datenbank jedem zur Recherche zur Verfügung stellt. Dabei spielet es keine Rolle, über welchen Server ein Beitrag ins Netz gelangt ist. Google speichert ihn. Falls Sie das von vornherein vermeiden wollen, dann lesen Sie weiter unten unter dem Tip X-No-Archive.

Sie sollten sich einmal den Spaß machen und einen beliebigen Namen in die erweiterte Suchmaske von Google Groups eingeben. Sollte es sich um einen Namen handeln, der tatsächlich existiert und im Usenet gebraucht wird, werden sie überrascht sein, wie viele Treffer sie erhalten. Würde man sich die Mühe machen und sämtliche Newsbeiträge dieser Person auswerten, erhielte man einen tiefen Blick in das Privatleben.

weshalb Anonymität?

ie Sie gesehen haben, übertragen Sie mit jedem Beitrag eine ganze Palette von Daten, die eine Verknüpfung der Inhalte Ihres Textes mit Ihrer bürgerlichen Identität ermöglichen. In aller Regel wird Ihnen daraus kein Nachteil entstehen. Trotzdem sollten Sie bedenken, daß einmal gesendete Newsbeiträge eine gewisse Eigendynamik entwickeln. Nicht nur Google speichert Ihre News dauerhaft, es gibt auch eine Menge Privatarchive und weitere Dienste, die Ihre Newsbeiträge archivieren. Zwar können Sie versuchen, Ihre Nachricht noch zu canceln, wenn das aber nicht rasch geschieht, ist die Verteilung so weit fortgeschritten, daß es keinen Halt mehr gibt. Beiträge, die bei Google gespeichert sind, kann der Autor löschen lassen. Der Aufwand ist jedoch nicht unerheblich und für jeden einzelnen Beitrag erforderlich. Auf Beiträge, die in privaten Archiven oder im Datencache eines Lesers gespeichert sind, haben Sie gar keinen Einfluß mehr.

Bedenken sollten Sie vor diesem Hintergrund, daß Sie gar nicht wissen können, welche Inhalte Ihrer Texte sich morgen als Problematisch erweisen (vgl.: paranoia.htm). Möglicherweise wird auch eine Äußerung, die Sie in einem bestimmten Zusammenhang gemacht haben durch die Archivierung aus dem Kontext gerissen und erscheint einem unwissenden Leser in völlig falschem Licht. Deshalb sollten Sie im Usenet immer mit besonderem Bedacht schreiben. Wem das aber nicht genügt, der muß weitere Maßnahmen ergreifen: Die Teilnahme am Usenet mit entpersonifizierten Beiträgen.

Hierfür bieten sich zwei Möglichkeiten an:

  1. Bereitstellen der Nachrichten über anonyme Remailer
  2. Benutzen eines Pseudonyms

Definition der Pseudonymität / Anonymität

ntgegen der landläufigen Meinung, daß ein Pseudonym nichts mit der Anonymität zu tun habe, werden Pseudonyme in Fachkreisen tatsächlich nach dem Grad der damit erreichbaren Anonymität eingeteilt und unterschieden. Anonymität und Identität bilden gewissermaßen die beiden Pole zwischen denen sich die verschiedenen Stufen der Pseudonymität bewegen:

(Quelle: Andreas Pfitzmann: Diensteintegrierende Kommunikationsnetze mit teilnehmerüberprüfbarem Datenschutz. IFB 234, Springer-Verlag, Heidelberg 1990.)
Onlinequellen siehe unten.

Personenpseudonym

Von Personenpseudonymen spricht man, wenn eine Person gegenüber mehreren verschiedenen Geschäfts- bzw. Kommunikationspartnern und mehreren Lebensbereichen über einen langen Zeitraum dieses Pseudonym benutzt und es damit zum Ersatz für den realen Namen macht (bspw. ein Schlagersänger oder ein Buchautor). Das Personenpseudonym wird in drei Gruppen unterteilt:

  • öffentliches Personenpseudonym
  • nichtöffentliches Personenpseudonym
  • anonymes Personenpseudonym

Rollenpseudonyme

Von Rollenpseudonyme spricht man, wenn ein Pseudonym einzig für einen bestimmten Zweck eingesetzt wird. Als Beispiel wäre hier konkret der  Auftritt im Usenet als Rollenpseudonym  anzusehen, wenn dieses Pseudonym nicht auch in anderen Kommunikationsmedien benutzt wird, wodurch es wieder zum Personenpseudonym würde.

Rollenpseudonyme werden nach der Einsatzhäufigkeit unterschieden:

  • Geschäftsbeziehungs- Pseudonym
  • Transaktions- Pseudonym (z.B. TAN-Nummer)

Der erreichbare Anonymisierungsgrad wird wie folgt dargestellt:

Anonymität im Usenet

weifellos den besten Grad der Anonymisierung erreichen Sie, wenn Sie Ihre Newsbeiträge über einen anonymisierenden Remailer ins Usenet schicken. Leider ist das nicht sehr kompfortabel und wird auch nicht gerne gesehen. Da es dem Autor dieser Webseite vorwiegend um die einfache Pseudonymität geht, die ohne fremde Hilfe hergestellt wird, möge sich der geneigte Leser bei weiterem Interessen an aononymen Remailern über die unten angeführten Links informieren.

Das Pseudonym im Usenet: Tips

ollten Sie nun ein Pseudonym benutzen wollen, so bedenken Sie bitte, daß Ihr Provider durchaus nachvollziehen kann, wann Sie welchen Beitrag ins Netz gestellt haben. Sie sind mit seiner Hilfe deshalb auch für Strafverfolgungsbehörden zu ermitteln. Mißbrauchen Sie Ihr Pseudonym deshalb nicht. Im Gegenteil sollten Sie Beiträge, welche Sie unter einem Pseudonym ins Netz stellen, mit besonderem Bedacht schreiben. So können Sie mithelfen, das schlechte Image der Pseudonymbenutzer abzubauen. Zudem müssen Sie kein schlechtes Gewissen oder gar Angst haben, falls Ihr Pseudonym doch einmal auffliegen sollte.

Es ist sehr Wahrscheinlich, daß Sie, je nach Ihren persönlichen Gegebenheiten, nicht alle nachfolgenden Tips beherzigen müssen, um Ihre Newsbeiträge zu entpersonifizieren. Auf der anderen Seite ist es natürlich möglich, daß Sie aufgrund besonderer Umstände Maßnahmen ergreifen müssen, die der Autor dieser WebSeite hier nicht behandelt. In jedem Fall werden Sie nach der Lektüre der folgenden Tips wissen, worauf es ankommt.

Unter dem Punkt Die Kopfzeilen einer Nachricht konnten Sie nachlesen, daß Sie ohne Vorkehrungen stets auch Identifizierungsmerkmale ans Netz übertragen. Ganz vermeiden läßt sich das ohne technische Hilfe, bspw. dem Einsatz eines anonymen Remailers nicht. Aber Sie können erreichen, daß letztlich nur noch eine IP-Adresse übrigbleibt, anhand derer man nur noch auf Ihren Provider schließen kann.

 Das sollten Sie beachten:   

 Ihr Newsreader 

Konfigurieren Sie Ihren Newsreader in aller Ruhe und Sorgfalt. Am besten löschen Sie sämtliche Konten (Konfigurationen) und fangen von ganz vorne an. Auf diese Weise bleiben keine alten Daten erhalten. Schreiben Sie das gewünschte Pseudonym bei der Konfiguration Ihres Newsreaders in das From-Feld und bezeichnen Sie das neue Konto nicht mit Ihrem Namen. Achten Sie bei der Wahl Ihres Pseudonyms darauf, daß Sie

  • möglichst eine noch unbenutzte Bezeichnung verwenden
    (evtl. vorher bei Google überprüfen)
  • eine Bezeichnung wählen, die keinen Bezug zu Ihrem realen Leben hat
    (also nicht Ihr Spitzname)
  • keine Namensrechte verletzen (§ 12 BGB)

 Ihre E-Mail Adresse 

Als Sie sich bei Ihrem Provider angemeldet haben, haben Sie sicher eine E-Mail Adresse bekommen, die mehr oder weniger aussagekräftige Komponenten Ihres realen Namens enthalten. Benutzen Sie diese E-Mail Adresse nicht im Usenet, sondern besorgen Sie sich eine der vielen frei und kostenlos erhältlichen E-Mail Adressen und tragen Sie dort als Namen nichts ein, was auf Ihre wahre Identität schließen könnte. Benutzen Sie diese E-Mail Adresse im Usenet. Keine andere!

Am besten wäre es, wenn Sie weiterhin keine weitere Identität benutzen. Leider läßt sich das oft nicht vermeiden, etwa wenn Sie private Korrespondenz unter Ihren wahren Identität per E-Mail erledigen. Sie sollten deshalb versuchen, auch auf Ihrem PC diese Idenditäten so weit wie möglich zu trennen. Notfalls richten Sie zwei verschiedene Programme für Usenet und E-Mail ein.

Das Postfach dieser neuen (Usenet)-E-Mail Adresse sollten Sie auf der HTML-Seite des Anbieters verwalten und persönliche Post auch dort beantworten. Nicht mit Ihrem Newsreader. Grund: Persönliche E-Mails an diese Adresse stammen möglicherweise von einem Usenetteilnehmer. Und es ist denkbar, daß eine vermeintlich vertrauliche E-Mail lediglich dazu dient, Ihre wahre Identität herauszufinden. Leider gibt es im Usenet Teilnehmer, die derartige Aufdeckungsversuche unternehmen. Es bestünde die Gefahr, daß Sie aus Versehen mit ihrer originalen E-Mail Adresse antworten. Sollten Sie dennoch ihren Newsreader verwenden wollen, so achten Sie, sofern Sie Outlook Express verwenden, unbedingt darauf, daß sie die automatische Lesebestätigung deaktiviert haben! (Extras=>Optionen=>Bestätigungen).

Trennen Sie nach dem Versand ihrer E-Mails die Verbindung zum Internet und bauen Sie eine neue Online-Verbindung auf (Siehe nächster Punkt). Öffnen Sie niemals Anhänge einer Mail, die sie ohne Vorankündigung auf diese E-Mail Adresse erhalten haben. Es könnte sich um Spionage-Software, sog.  Trojaner  handeln. Seien Sie auch vorsichtig, wenn Sie in E-Mails Links auf Web-Seiten angeboten bekommen. Es gibt Web-Seiten, die Spionagesoftware enthalten.

 On- und Offline 

Wenn Sie im Usenet schreiben, dann sollten Sie sich angewöhnen, Die Usenetbeiträge herunterzuladen, offline zu gehen und dann die entsprechenden Antworten zu schreiben. Das Online-Schreiben hat neben den höheren Kosten gravierende Nachteile: Wenn Sie eben noch einen Newsbeitrag gesendet haben und anschließend Online bleiben, bleibt Ihre IP-Adresse erhalten. Während Sie den nächsten Beitrag schreiben, könnte ein neugieriger Mitleser anhand ihres soeben abgeschickten Newsbeitrags ihre IP-Adresse herausgefunden haben und über eine Hackersoftware Informationen über Ihren Rechner erhalten.
Ein weiterer Nachteil ist, daß ein Newsbeitrag, der Online geschrieben wurde, möglicherweise schneller abgeschickt wird, als man wollte. Ein falscher Tastendruck genügt und der Beitrag ist im Netz, obwohl man noch gar nicht fertig war und nochmals alles überprüft hat!

Nachdem Sie Ihre Beiträge geschrieben haben, gehen Sie zum Versand Online und trennen die Verbindung nach dem Versand der Newsbeiträge gleich wieder. Keineswegs sollten Sie mit der selben IP-Adresse Online bleiben - auch nicht, um zu verfolgen, ob Ihre Beiträge auf dem Server angekommen sind. Gehen Sie auf Nummer sicher und wählen Sie sich dazu neu ein!

 Ihr Provider 

Wie Sie gesehen haben, wird unter dem Header "NNTP-Posting-Host" Ihre IP-Adresse übertragen. Aus dieser IP-Adresse läßt sich ersehen, über welchen Online-Provider Sie eine Verbindung ins Netz hergestellt haben. Stellen Sie sicher, daß Sie von Ihrem Provider bei jeder Einwahl eine dynamisch zugewiesene IP-Adresse erhalten. So ist sichergestellt, daß die IP-Adresse nicht Sie persönlich identifiziert und bei jedem Log-In eine andere ist. Siehe ripe.net oder nick.de. Beachten Sie bei der Wahl Ihres Providers, daß kleinere Provider mit weniger Teilnehmern die größere Chance auf Eingrezung bieten. Ungeeignet sind auch private Provider wie z.B. Firmenzugänge (statische IP-Adress und Firmenhomepage), Vereine (Mitgliederlisten, geringe Teilnehmerzahl), Schulen u.s.w.
Ziemlich sicherer bewegen Sie sich, wenn Sie möglichst überregionale und große Netzanbieter verwenden. Vorsichtig sollten Sie bei T-Online sein, da hier (insbesondere bei älteren Accounts) u.U. Ihre Telefonnummer übertragen wird. Wenn Sie wirklich ganz sicher gehen wollen, können Sie sich abwechselnd über verschiedene Call-by-Call Anbieter ins Netz einwählen und Ihre Beiträge über sogenannte freie Newsserver ins Usenet übertragen. Freie Newsserver sind Server, auf die man über jeden Netzzugang zugreifen und schreiben kann.

 Der Newsserver 

Wenn Sie über einen Newsserver posten, dann denken Sie bitte daran, daß der Header "Message-ID", sofern er nicht anders von Ihnen konfiguriert wurde, im Klartext den Newsserver bzw. den Provider benennt, woraus man bei kleineren Anbietern wie z.B. Universitätsservern gewisse Schlüsse ziehen kann. Sie sollten diese Header deshalb unbedingt prüfen!

Besonderheit bei der Verwendung des freien Newsservers news.cis.dfn.de (Berlin): Dieser Sever erzeugt einen X-Header namens X-Trace, der Ihre User-Nummer enthält. Lassen Sie Ihre Message-ID außerdem vom Server generieren, so findet sich diese Usernummer auch in der Message-ID:

Beispiel (xxxxxx ist die Usernummer):

Message-ID: <4gt8cool8osgktee@ID-xxxxxx.news.dfncis.de>
X-Trace: fu-berlin.de 1991609002 5639856 61.226.150.247 (16[xxxxxx])

Unter normalen Umständen entsteht Ihnen dadurch kein Nachteil, da diese Usernummer nur Ihnen und dem Server-Betreiber bekannt ist. Sollten Sie jedoch einmal unter einem anderem Pseudonym schreiben, wird man durch Übereinstimmung dieser Usernummer natürlich die Verbindung herstellen können.

 Ihre Homepage 

Sollten Sie stolzer Besitzer einer Homepage sein, so beachten Sie bitte, daß Sie auf dieser Homepage möglichst keine Inhalte aus dem Usenet veröffentlichen, die mit Ihrer Aktivität dort in Zusammenhang steht. Verweisen Sie andererseits nicht im Usenet auf Ihre Homepage. Besonders vorsichtig sollten Sie sein, wenn Sie eine Domain registriert haben. Benutzen Sie auf gar keinen Fall im Usenet Ihre Domain. Weder als E-Mail Adresse noch als Eintrag im Header "Organisation" oder in der Message-ID. Eine Domain kann mit www.denic.de, www.nick.de oder checkdomain abgefragt werden. Diese Abfrage gibt sämtliche persönliche Daten, bis hin zur Telefonnummer, über Sie preis.

Wenn Sie über T-Online posten und eine Homepage bei T-Online betreiben, dann beachten Sie unbedingt diesen Hinweis.

 X-No-Archive: Yes 

Wenn Sie von vornherein vermeiden wollen, daß Ihre Newsbeiträge in die Datenbank von Google aufgenommen werden, dann können Sie selbst einen X-Header generieren, der folgenden Eintrag hat: X-No-Archive: YES. Wie Sie diesen Header generieren, ist von Ihrem Newsreader abhängig. Falls dieser das dauerhafte Einfügen nicht unterstützt, schreiben Sie am besten von Hand in die allererste Zeile jedes Newsbeitrages:

X-No-Archive: YES

Bereits archivierte Beiträge können Sie über den Löschdienst von Google aus dem Archiv entfernen. Bedenken Sie jedoch, daß Followups, also Antworten auf Ihre Beiträge, die von anderen Teilnehmern geschrieben wurden und Inhalte Ihres Beitrages in Form von Zitaten enthalten, davon unberührt bleiben. Unter Umständen entstehen durch die Löschung Ihres Beitrages Sinnentstellungen, die zu Mißverständnissen führen. Der Löschvorgang selbst muß für jeden einzelnen Beitrag durchgeführt werden, Mehrfachlöschungen gibt es nicht. Außerdem müssen Sie sich bei Google mit einen Usernamen und Passwort zuerst anmelden.

 WEB-Interfaces 

Unübertroffen, wenn auch wenig Kompfortabel ist es, wenn Sie über das Webinterface Google Groups posten. Auf diese Weise benutzen Sie nicht Ihren Newsreader und laufen damit nicht in Gefahr, über falsche Konfigurationen Informationen preiszugeben. Überdies fallen die Informationen weg, die der Newsreader über sich in die Header schreibt. Bei einer sehr ausgefallenen Software, wäre auch dies ein Erkennungsmerkmal. Ein derart bereitgestellter Newsbeitrag enthält keine auswertbaren Informationen mehr:

From: HarryH@gmx.de (Harry Haase)
Newsgroups: de.soc.netzkultur.umgangsformen
Subject: Re: Schon wieder dieses Thema!
Date: 19 Feb 2002 04:31:08 -0900
Organization: http://groups.google.com/
Lines: 11
Message-ID: <f217426f.0208740432.7ea446e7@posting.google.com>
References: <1009756491.838229@hagakure.utanet.de>
NNTP-Posting-Host:  222.50.228.30 
Content-Type: text/plain; charset=ISO-8859-1
Content-Transfer-Encoding: 8bit
X-Trace: posting.google.com 1011011469 5850 127.0.0.1 (19 Feb 2002 12:31:09 GMT)
X-Complaints-To: groups-abuse@google.com
NNTP-Posting-Date: 19 Feb 2002 12:31:09 GMT

Sie sehen, daß hier nichts Verwertbares mehr zu sehen ist. Die Zeile NNTP-Posting Host enthält jedoch wieder die IP-Adrsse Ihres Providers. Diese Angabe enthält jedoch keine Informationen über Sie persönlich, sofern Sie von Ihrem Provider bei jeder Einwahl eine neue IP-Adresse zugewiesen bekommen.

 Testen Sie Ihr Pseudonym 

Bevor Sie mit Ihrem Pseudonym aktiv am Usenet teilnehmen, sollten Sie es testen, um sich anschließend anhand der Kopfzeilen zu überzeugen, daß nichts Verwertbares mehr darin enthalten ist. Tun Sie das nicht in irgendeiner Newsgroup, denn dort befinden Sie sich bereits im tiefen Wasser. Sie sollten auch nicht de.test verwenden, da der Inhalt dieser Newsgroup natürlich auch von Ihrer künftigen Zielgruppe verfolgt wird. Schleicht sich dann ein Fehler ein oder erweist sich Ihr Pseudonym als untauglich, war alles umsonst. Benutzen Sie deshalb besser internationale Gruppen wie z.B. alt.test

Erschrecken Sie nicht, wenn Sie im Header Path Einträge finden, die vermeintlich den Weg zu Ihnen zeigen. In diesem Pfad ist lediglich vermerkt, über welchen Weg dieser Newsbeitrag zu Ihnen als Leser zurückgefunden hat. Demzufolge steht bei jedem anderen Leser auch eine andere Wegebschreibung.

Die Vor- und Nachteile eines Pseudonyms

 Vorteile 

Ein Pseudonym bietet z.B. den unbestreitbaren Vorteil, daß jemand, der gezielt nach Ihnen sucht, sie nicht finden wird. Würde z.B. Ihr Arbeitgeber, Ihr Nachbar, ein Verwandter etc. Recherchen über Sie anstellen wollen und Ihren Namen in http://groups.google.com eingeben, würde er Sie natürlich nicht finden, wenn Sie unter einem Pseudonym geschrieben haben. Schon alleine dieser  nicht zu wiederlegende Vorteil  ist ein gutes Argument für die Verwendung eines Pseudonyms!

 Nachteile 

Der größte Nachteil eines Pseudonyms ist, daß es weitaus weniger sicher ist, als z.B. das Schreiben über anonymisierende Remailer. Das liegt aber nicht etwa an dem Pseudonym selbst, sondern daran, daß einerseits die Gefahr besteht, daß man sich selbst durch Unachtsamkeit verrät und daß es andererseits kriminelle Methoden wie Spionagesoftware und Hackerattacken gibt, gegen die man sich als Laie kaum schützen kann.

Ein weiterer Nachteil ist, daß man eben alle genannten Punkte beachten muß. Am Anfang wird dies recht mühsam erscheinen. Darüberhinaus ist es so, daß offensichtliche Pseudonyme zwar ehrlich sind. Bei manchen Usenetteilnehmern stoßen sie aber derart auf Ablehnung, daß es immer wieder vorkommt, daß der Jagdisntinkt angesprochen wird und alle Mittel eingesetzt werden, um das Pseudonym aufzudecken.

 Conclusion 

Wenn Sie also eine ehrliche Haut sind, dann sollten Sie ein Pseudonym benutzen, welches klar erkennbar ist. Sie werden dann aber doppelt und dreifach aufpassen müssen und auch immer böse Hinweise bekommen. Die andere Methode wäre, daß Sie ein Pseudonym benutzen, welches aussieht wie ein normaler Realname. Das wäre dann zwar wirklich eine Lüge, aber sie wäre nach dem Moralverständnis des Autors durchaus legitim. Denn das Eigeninteresse des Selbstschutzes wiegt sicher wesentlich schwerer als die unverschämte Erwartung einiger User, in einem öffentlichen und anonymen Medium die standesamtlich eingetragenen Daten des Absenders lesen zu dürfen.

Warnung

Wenn Sie anonymen Zugriff auf das Usenet benötigen, weil Sie wirklich um Leib oder Leben fürchten müssen, so bietet ein Pseudonym nicht den umfassenden Schutz, den Sie benötigen. In so einem Falle wären Sie bei einem anonymen Remailer gut aufgehoben. Ein Pseudonym könnte mit kriminellen Methoden (Hacker) aufgedeckt werden oder durch eigene Unachtsamkeit auffliegen. Diese Gefahr besteht grundsätzlich.

Sollten Sie das Pseudonym jedoch benötigen, um ihre Privatsphäre einigermaßen gegen die Öffentlichkeit abzuschirmen, dann bietet sich die Verwendung eines Pseudonyms durchaus an.

rechtliche Grundlagen

enn Sie im Usenet unter einem Pseudonym schreiben, wird man Ihnen hin und wieder den Vorwurf machen, unlautere Absichten zu hegen. Außerdem wird man ihnen vorwerfen, am Rande der Legalität zu handeln oder man wird Ihnen sagen, daß es keinen Rechtsanspruch gäbe, pseudonym am Usenet teilzunehmen.

Zwar ist es müßig, derlei Vorwürfen durch das Zitieren von Gesetzen zu begegnen, Sie sollten aber wissen, daß das Recht auf Ihrer Seite steht. Werfen Sie dazu einen Blick auf die rechtlichen Grundlagen.

     

 Interessante Links zu diesem Thema: 

Aufgrund aktueller Rechtsprechung erklärt der Autor dieser Webseite, daß er für die Inhalte fremder Seiten, die über diese Linkliste aufgerufen werden können, keine Verantwortung übernimmt.

 Anonyme Remailer 

 Weitere interessante Links zum Thema 

www.datenschutzzentrum.de
Oliver Ding's Realname FAQ
Pseudonym: Vor- und Nachteile Englisch
Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik [Archiv]

Homepage Köhntopp

 Daraus mit freundlicher Genehmigung im Archiv: 

Begriffsbestimmung Anonymität / Pseudonymität [36 KB]
Pseudonymität: Technik und Recht [280 KB]
Identitätsmanagement: Anforderungen aus Nutzersicht [155 KB]

 Weitere Seiten des Autors zum Thema 

 

Startseite   Winfried Wacker 2006