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Version 1.0.2 Copyright (c) 2006 Maria Lukas van den Berg
Dies ist eine Einladung, Dich mit verschiedenen Aspekten zu beschäftigen, unter denen Du Deine
Teilnahme am Usenet gestalten könntest. Einige davon weisen in sehr unterschiedliche Richtungen.
Es bleibt Deine Entscheidung, welcher Richtung Du unter welchen Umständen Vorrang gibst. Im
Zweifelsfall ist es am sichersten, zunächst nicht aktiv am Usenet teilzunehmen, sondern nur mitzulesen.
Die Referenz [1] komplettiert diesen Text um technische Aspekte.
(Achtung: Die Neue Netiquette ist keine neue Version der Netiquette
von Andreas M. Kirchwitz, sondern das Ergebnis eines eigenen Projektes.)
Unter welchen Aspekten könntest Du...
- ...entscheiden, was Du in einer Newsgroup schreibst?
- ...die Emailadresse in Deinem Absender (From:) wählen?
- ...den Namen in Deinem Absender (From:) wählen?
- ...die Aufmachung Deiner Beiträge gestalten?
- ...Dein Verhalten bei Meinungsverschiedenheiten und emotional geprägten Diskussionen lenken?
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unter welchen Aspekten könntest Du...
...entscheiden, was Du in einer Newsgroup schreibst?
1.1.
Du kommunizierst mit Menschen. Diese Menschen haben Gefühle. Zumindest am Anfang
weißt Du wenig von diesen Menschen, kennst nicht ihre Sorgen und Probleme, was sie verletzen
kann, ihre Bedürfnisse, ihre Lebensumstände, ihre Vergangenheiten.
Wenn Du jemanden in Deinem Beitrag direkt ansprichst: Würdest Du es ihm auch persönlich
ins Gesicht sagen? Wenn Du etwas über jemanden schreibst: Würdest Du es auch
öffentlich aussprechen? Auch, wenn derjenige zugegen ist?
1.2.
Die rechtlichen Vorgaben Deines Landes sind auch im Usenet von Bedeutung (in vielen Ländern
somit auch das Urheberrecht).
FAQs, Netiquetten, Chartas und ähnliche von anderen Teilnehmern veröffentlichte
Regelwerke alleine sind hingegen nicht verbindlich.
1.3.
Das Usenet ist themenorientiert. D.h. eine Newsgroup wird immer für ein bestimmtes Thema
eingerichtet, welches dann in ihrer Charta festgehalten wird. (Es gibt auch deutschsprachige Hierarchien
außerhalb von de.*, die lokal orientiert sind, zB. hamburg.*.)
Bei einer Themenverlagerung innerhalb einer Diskussion kann man versuchen, sie umzulenken
[1, umlenken].
1.4.
Ein Beitrag im Usenet ist einem sehr großen Publikum zugänglich -- nämlich praktisch
jedem auf der Welt, der über einen Internetanschluss verfügt -- und zwar schon binnen
kürzester Zeit nach seiner Veröffentlichung. Was einmal veröffentlicht ist, kann kaum
mehr rückgängig gemacht werden [1, Cancel]. Auch werden Beiträge auf
unabsehbare Zeit archiviert, zB. bei Google [1, X-No-Archive].
1.5.
Wenn Du einem Teilnehmer etwas privat mitteilen möchtest, kannst
Du schauen, ob er eine Emailadresse angegeben hat. Siehe auch 2.1,
2.2 und [1, Email].
1.6.
Wenn Du vor dem Schreiben eine Weile mitliest, kannst Du bereits Vorgebrachtes bei
Deinem Beitrag berücksichtigen.
1.7.
Gedankenlose oder in größeren Mengen verbreitete Werbung ist sehr problematisch,
da sie das Usenet langfristig als Diskussionsmedium unbrauchbar machen würde.
[nach oben]
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unter welchen Aspekten könntest Du...
...die Emailadresse in Deinem Absender (From:) wählen?
2.1.
Andere Teilnehmer können der Adresse meistens nicht ansehen, ob Email daran zugestellt
werden kann, und auch nicht, ob Du diese Email liest. Einige schreiben gerne per Email etwas und
geben sich viel Mühe dabei. Diese Mühe ist vergebens, wenn Du die Email nie bekommst
oder nie liest.
2.2.
Eine Adresse, die auf .invalid endet, ist nicht zustellbar. Eine solche Adresse im 'From:' anzugeben
(und auch im 'Reply-To:' keine oder eine .invalid-Adresse zu haben) wird gerne als Signal gebraucht,
dass man keine Email wünscht.
2.3.
Im Usenet veröffentlichte Emailadressen erhalten meist nach kurzer Zeit viel unerwünschte
Werbung (Spam). Im Falle einer .invalid-Adresse betrifft Dich der Spam natürlich nicht.
2.4.
Dem Spam steht man nicht hilflos gegenüber, auch wenn man per Email erreichbar sein möchte
[1, Spam].
[nach oben]
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unter welchen Aspekten könntest Du...
...den Namen in Deinem Absender (From:) wählen?
3.1.
Andere Teilnehmer möchten Dich mit diesem Namen ansprechen und unter ihm wiedererkennen.
3.2.
Den Realnamen anzugeben, kann vielfältige Folgen haben. (Mit 'Realname' ist der gemeint,
der üblicherweise im Personalausweis steht.) Zum Beispiel könntest Du...
- von Freunden oder Kollegen - im Positiven oder Negativen - auf Deine Beiträge angesprochen werden.
- außerhalb des Usenet (kriminellerweise) unter Druck gesetzt werden, wenn Du Dinge schreibst, die
bestimmten Leuten nicht gefallen.
- beruflich benachteiligt werden.
- beruflich profitieren, wenn Du durch Deine Beiträge besondere Qualitäten erkennen lässt.
(Dafür genügt u. U. auch die Erreichbarkeit per Email.)
3.3.
Sollte sich jemand über Dich aufgrund Deiner Beiträge ein Bild verschaffen, dann
garantiert Dir niemand, dass er dabei sorgfältig vorgeht. Möglicherweise betrachtet
er nur eine Auswahl Deiner Beiträge, oder er betrachtet sie ohne Berücksichtigung
des jeweiligen Zusammenhangs.
3.4.
Die Preisgabe des Realnamens ist schwer rückgängig zu machen. Will man
später pseudonym schreiben, so muss man sorgfältig alle Verweise vermeiden,
die zu alten, mit Realnamen versehenen Beiträgen führen könnten. Siehe auch 1.4.
Also: Der Umstieg von Pseudonym auf Realname ist einfach. Der Umstieg von Realname
auf Pseudonym ist hingegen schwierig.
3.5. Einige lesen nur Beiträge, die einen Realnamen
oder einen, der nach einem Realnamen aussieht, tragen.
3.6. Hinweise:
- Wenn Du pseudonym schreiben möchtest, musst Du vermeiden, dass andere Deiner Headerzeilen
Rückschlüsse auf Deine private Identität erlauben. Am besten liest Du noch vor Deinem
ersten Beitrag [1, pseudonym].
- Für die Behörden bist Du auch als pseudonymer Schreiber über Deinen Provider
ermittelbar. In vielen Ländern ist eine solche Erhebung aber nur unter bestimmten Voraussetzungen
zulässig. Siehe auch 1.2.
[nach oben]
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unter welchen Aspekten könntest Du...
...die Aufmachung Deiner Beiträge gestalten?
4.1.
Überlange Zeilen erschweren oft die Darstellung. Üblicherweise wird zu einer Zeilenlänge
zwischen 60 und 70 Zeichen geraten.
Eine kammartige Darstellung [1, Kammquoting] kann auch Schwierigkeiten beim Lesen bereiten.
4.2.
Wenn Umlaute nicht im Header Deiner Beiträge deklariert werden, können sie nicht
richtig dargestellt werden [1, Umlaute].
4.3. Einige haben Mühe mit dem Lesen,
wenn Beiträge durchgängig in Kleinschreibung oder nur in Großbuchstaben verfasst sind.
4.4.
Rechtschreib- und Grammatikfehler können den Sinn entstellen.
4.5.
Einige entscheiden (oder täten dies gerne) anhand der Betreffzeile ('Subject:'), ob sie einen
Beitrag lesen werden [1, Subjectwechsel].
4.6.
Angenommen, Du möchtest unter Deine Beiträge eine Signatur setzen, die nicht unbedingt
gelesen zu werden braucht. Dann kannst Du es Anderen ermöglichen, diese Signatur automatisch
ausblenden und beim Zitieren ("Quoting") weglöschen zu lassen
[1, Signaturtrenner].
4.7.
Andere Formate als reiner Text (zB. HTML, Grafiken, "Office-Dokumente", oder Binaries allgemein)
können bei Vielen nicht oder nicht richtig angezeigt werden, verursachen ein höheres
Datenaufkommmen, oder bringen sogar zusätzliche Sicherheitsrisiken (Viren o.ä.) mit sich.
4.8.
Einige haben eine sehr langsame Anbindung ans Usenet. Du kannst es ihnen einfacher machen,
indem Du redundante Inhalte (zB. wiederholte Zitate, gleichbleibende Signaturen) in ihrer Länge
beschränkst. (Signaturen zB. auf 4 Zeilen.)
[nach oben]
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unter welchen Aspekten könntest Du...
...Dein Verhalten bei Meinungsverschiedenheiten und emotional
geprägten Diskussionen lenken?
5.1.
Die Gefahr von Missverständnissen ist bei schriftlicher Kommunikation besonders hoch.
Denn es kommt dabei nichts von Deiner Mimik und Gestik herüber, die Du bei persönlichen
Gesprächen benutzen würdest. Besonders Ironie und Sarkasmus können dabei
leicht missverstanden werden. (Smileys, zB. :-) oder ;-), können helfen, Ironie und Sarkasmus
zu kennzeichnen.)
Dies gilt auch für das, was Andere Dir mitteilen. Zum Beispiel könnte etwas, was
jemand geschrieben hat und was Dich, wenn Du es wörtlich nimmst, sehr ärgert, in
Wahrheit nicht so gemeint gewesen sein (sondern zB. ironisch oder scherzhaft).
5.2.
Es zählt der beidseitige Erkenntnis- und Erfahrungsgewinn, nicht das "Gewinnen" einer Diskussion.
5.3.
Deine Diskussionspartner (oder -gegner, wie Du sie wahrnehmen könntest), sind möglicherweise
ebenso verzweifelt, wütend, fühlen sich hilflos, etc. wie Du.
5.4.
Du magst eine ganz andere Meinung als Deine Diskussionspartner haben, dennoch seid Ihr Euch
darin gleich, dass Ihr Euren jeweiligen Standpunkt vermitteln möchtet.
5.5.
'Ich habe mich geirrt', o.ä. ist kein Zeichen von "Schwäche".
5.6.
Eine neue Sicht erhält man zuweilen, indem man einen Beitrag erst vorschreibt
(noch nicht abschickt) und dann eine Nacht darüber schläft.
[nach oben]
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Maria Lukas van den Berg 2006
Referenz

Lesen sie bitte hier die technischen Referenzen
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