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Mollner |
Anonymität im Usenet?
Das Vorurteil:
Die Bundesregierung Das Recht auf Anonymität wurde in Deutschland aus dem Grundgesetz abgeleitet und vom Bundesverfassungsgericht zu den allgemeinen Persönlichkeitsrechten hinzugefügt. Es stellt somit ein Grund- und Persönlichkeitsrecht dar, welches prinzipiell jedem Menschen zugestanden wird. Die Anonymität steht somit nicht im Widerspruch zu unseren allgemein anerkannten Grundwerten, sondern sie ist Bestandteil derselben. Und das aus gutem Grund: Das Recht auf informationelle Selbstbestimmung erlaubt es dem Bürger, seine personenbezogene Daten vor dem Mißbrauch durch den Staat und der Gesellschaft zu schützen. Zweifellos wird dieses Recht in unserer Gesellschaft zuweilen zur Begehung von Straftaten mißbraucht, doch das ändert nichts an seiner primären und berechtigten Bedeutung für den Schutz der eigenen Daten. Diese Ansicht wurde vom Gesetzgeber mit der Verabschiedung des Informations- und Kommunikationsdienste Gesetzes bekräftigt. Hinzu kommt, daß völlige Anonymität im Usenet eher die absolute Ausnahme darstellt, sofern sie überhaupt technisch verwirklicht werden kann (z.B. mit anonymen Remailern). In aller Regel nutzen die Teilnehmer die sich durch ein Pseudonym ergebende sog. faktische Anonymität. Diese verschafft Anonymität lediglich gegenüber den anderen Teilnehmern, während das Pseudonym sowohl durch den Provider, als auch in der Folge durch die Strafverfolgungsbehörden problemlos seinem Träger zuzuordnen ist. Ein Pseudonym kann daher kaum ernsthaft in der Weise mißbraucht werden, wie es dieses Vorurteil behauptet. Es dient eindeutig dem Eigenschutz. Das Pseudonym hat gegenüber der vollständigen Anonymisierung außerdem den Vorteil, daß der Teilnehmer anhand des Pseudonyms wiedererkannt werden kann. Es verkörpert damit den grundsätzlichen Willen seines Trägers, in das soziale Gefüge eingegliedert zu werden und steht damit im Widerspruch zu dem unzulässig verallgemeinernden Vorwurf destruktiver Absichten. Das Vorurteil:
Daß die völlige Anonymität die absolute Ausnahme darstellt, während die Verwendung eines Pseudonyms die Regel ist, wurde bereits festgestellt. Das Pseudonym aber dient ebenso wie der wirkliche Name der Wiedererkennbarkeit eines bestimmten Teilnehmers mit der Folge, daß die Gesamtheit aller Äußerungen ein bestimmtes Bild der dahinter stehenden Persönlichkeit repräsentiert. Diese Persönlichkeit stößt im sozialen Gefüge ebenso auf Zuspruch oder Ablehnung wie die jeder anderen Person im Netz. Kein Teilnehmer kann sich dieser Reaktionen auf das eigene Verhalten entziehen. Innerhalb der sozialen Interaktion im Usenet treten die pseudonymen Teilnehmer also ebenso wie alle anderen Teilnehmer für ihre Äußerungen ein.
Aber leider leben wir nicht in einer idealen Gesellschaft und so zeigt die Praxis, daß Meinungsäußerungen, auch wenn sie gegenüber dem Staat vom Recht auf freie Meinungsäußerung gedeckt sind, dazu führen, daß andere Mitmenschen nicht die Meinung, sondern ihre Vertreter bekämpfen und mitunter destruktiven Einfluß auf den persönlichen Lebensbereich anderer Teilnehmer nehmen. Und hier bietet das Pseudonym einen adäquaten Schutz, indem es solche Übergriffe durch die faktische Anonymität verhindert. Und da das Pseudonym nicht vor der Aufdeckung durch die Ermittlungsbehörden, wohl aber vor der Aufdeckung durch andere Teilnehmer schützt, verhindert es nicht eigene Straftaten, sondern solche, die gegen die eigene Person gerichtet sind: Das Pseudonym schützt vor Selbstjustiz. Natürlich kann man diesen Selbstschutz als Feigheit bezeichnen, so wie man auch das Anlegen des Sicherheitsgurtes im Auto oder das Aufsetzen des Helms auf dem Motorrad als Feigheit bezeichnen kann. Angesichts der weltweiten Verbreitung der Usenetartikel, ihrer dauerhaften Speicherung und der allgemeinen Verfügbarkeit dieser Daten und angesichts nachgewiesener Fälle schwerwiegender Übergriffe in das Privatleben einzelner Teilnehmer, ist es wohl aber eher eine angemessene Vorsichtsmaßnahme. Das Vorurteil:
Selbstverständlich gibt es im Leben jedes Menschen peinliche Dinge, für die er sich schämt und die er niemals unter seiner wirklichen Identität öffentlich ausbreiten würde. Aber der Rat, sich ausschließlich zum Zwecke der Erörterung solcher Dinge zu anonymisieren und ansonsten seinen wirklichen Namen zu verwenden, ist höchst gefährlich und nicht zu empfehlen. Alle Usenetbeiträge enthalten mehr oder weniger Merkmale, die der Provider in die Header dieser Nachrichten einfügt und die auf ein- und desnselben Teilnehmer schließen lassen, selbst wenn dieser seinen Namen ändert. Außerdem kann man einzelne Teilnehmer anhand ihrer Schreibweise oder anderer individueller Merkmale, wie z.B. die immer gleichen Schreibfehler oder Redewendungen wiedererkennen. Wer also regelmäßig unter seinem wirklichen Namen im Netz aktiv ist, sollte sich nicht der Illusion hingeben, daß die einfache Änderung des Fromheaders eine hinreichende Anonymisierung bewirkt. In diesem Sinne ist auch die Kirchwitz-Netiquette zu bemängeln, da auch sie empfiehlt, je nach Thema und Gruppe einmal den Realnamen und dann wieder ein Pseudonym zu verwenden. (Vgl.: Faq Frage 8) Gerade die profane Feststellung, daß es im Leben eines jeden Menschen peinliche Dinge gibt, die nicht an die Öffentlichkeit gehören, ist ein weiterer möglicher Anlaß, sich eines Pseudonyms zu bedienen (zumindest wenn man vor hat, gelegentlich auch einmal kontroverse Meinungen zu vertreten). Denn der wirkliche Name ist der Schlüssel zu diesen Informationen. Im Netz veröffentlicht, ermöglicht er es jedem Mitleser und insbesondere den Meinungskontrahenten, diese Informationen aus allen erdenklichen Quellen auch außerhalb des Use- und Internets zu recherchieren, zusammenzuführen und gegen den Willen des Besitzers der Daten zu veröffentlichen, ihn damit einzuschüchtern oder gar zu erpressen. Man sollte sich nicht der Illusion hingeben, daß der Anteil von Psychopathen im Usenet niedriger als im Rest unserer Gesellschaft wäre. Das Vorurteil:
In der Tat gibt es einige Teilnehmer im Usenet, die vorgeben, pseudonyme Teilnehmer softwaretechnisch auszublenden. Und wäre es das oberste Ziel eines Users, möglichst alle anderen Netzien im Usenet zu erreichen, wäre die Verwendung eines Pseudonyms tatsächlich nicht zielführend (dumm). Da die Verwendung eines Pseudonyms aber wie alle Dinge im Leben nicht nur Nachteile, sondern auch Vorteile [1] hat, bleibt es die Erwägung jedes einzelnen Teilnehmers, wie er die unterschiedlichen Vor- und Nachteile gewichtet. Die Prioritäten sind so individuell wie die Lebenserfahrung- und einstellung und die persönlichen Umstände aus denen heraus sie gesezt werden. Möglicherweise verzichtet so mancher Teilnehmer gerne auf die Aufmerksamkeit einiger vorurteilsbelsateter User zugunsten der Vorteile, die ein Pseudonym bietet. Die Erfahrung zeigt jedenfalls, daß Beiträge, die im Usenet veröffentlicht werden, auch dann Leser finden und beantwortet werden, wenn sie unter einem Pseudonym gestellt werden. Zunehmend setzt sich nämlich die Erkenntnis durch, daß das Usenet nicht mehr der kleine elitäre Zirkel ist, der er einst war, sondern die schonungslose und absolute, weltweite Öffentlichkeit an der es durchaus Sinn macht, personenbezogene Daten sparsam zu verwenden. [1] Das Pseudonym...
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