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Händeschütteln?

uf der Seite http://www.wortrei.ch/ finden sich einige Texte zum Thema Usenet und Umgangsformen. Unter anderem findet sich ein Text zum Thema Realname. (MID: <8mugtn.96.1@adrian.users.christkath.ch>). Darin vergleicht der Autor, wie auch sein Vorredner, die Angabe des Realnames mit dem Händeschütteln. Er kommt zu dem Schluß, daß die Verweigerung des Realnames eine unhöfliche Geste sei, vergleichbar mit dem Auschlagen der entgegengestreckten Hand. Bei seiner Betrachtung wird er jedoch nur seinen eigenen Empfindungen gerecht und vernachlässigt dabei die berechtigten und schutzwürdigen Interessen derer, über die er urteilt.

 

>>| Wozu dienen so merkwürdige Sitten wie "Händeschütteln"?
>>
>>Das hat andere Gründe, da könnte man auch fragen warum
>>knutschen wir uns nicht alle ab wie in Russland.
>
>Anderer Kulturkreis - andere Sitten.
>
>>(Was ja letztendlich auf das abtasten des Gegenüber auf Waffen
>>zurück zu führen ist)
>
>Das Händeschütteln soll ja zeigen, daß man keine Waffe in der Hand hat

Genau. Das Händeschütteln hat symbolische Bedeutung.

Mit jemandem, der mir die Hand nicht geben will, selbst wenn ich ihm meine
Hand hinstrecke, möchte ich im Normalfall nicht näher zu tun haben und
Diskussionen führen. Selbstverständlich vermute ich nicht, dass der andere
in Wirklichkeit eine Waffe hat und sie mir nicht zeigen will und deswegen
den Händedruck verweigert. Aber das Verweigern des Händeschüttelns hat
einen Symbolgehalt. Es symbolisiert Misstrauen.

 Antwort 

Die Nichtnennung des Namens in offenen Netzwerken ist kein Ausdruck des  persönlichen  Mißtrauens gegenüber den jeweiligen Kommunikationspartnern, sondern ein berechtigtes Mißtrauen gegenüber der anonymen Öffentlichkeit und damit keineswegs unhöflich. Wer sich beispielsweise als Mitfahrer in einem Auto anschnallt, bekundet auch nicht zwangsläufig sein Mißtrauen gegenüber dem Fahrer, sondern trifft eine adäquate Vorsichtsmaßnahme, um sich vor den allgmeinen Gefahren des Straßenverkehrs zu schützen. Auch ein Tresor innerhalb der eigenen vier Wände ist i.d.R. kein Mißtrauen gegenüber der eigenen Familie, sondern eine Sicherheitsvorkehrung für den Fall, daß sich fremde Menschen unberechtigt Zutritt zur Wohnung verschaffen. Wer dafür kein Verständnis aufzubringen vermag und seinem Gegenüber unter sträflicher Vernachlässigung rationaler Überlegungen Unhöflichkeit unterstellt, handelt selbst unhöflich, indem er völlig legitime Schutz- und Sicherheitsmaßnahmen nicht als solche akzeptiert oder sogar als persönliche Beleidigung auffaßt. Der Verfasser der Realname FAQ, ein eifriger Verfechter des Realnamens schrieb einst in einer Diskussion:

Wer anderen Vorwürfe macht, daß sie etwas tun/nutzen/anwenden/einsetzen, was nicht nur legal sondern auch wie in diesem Fall völlig legitim ist, macht sich IMHO zum Brot.. <bgts9m.3vveq43.1@hamster.sockenseite.de>

Zwar wollte er damit die Filtergewohnheiten seiner Mitstreiter verteidigen; doch stellt sich die Frage, warum diese durchaus zutreffende Erkenntnis nicht auch für die völlig legitime und unschädliche Verwendung von Pseudonymen gelten soll.

Genauso hat der Realname im From-Header auch symbolische Bedeutung. Wenn er
da steht, symbolisiert dies Offenheit und Vertrauen. Wenn er fehlt,
symbolisiert dies Misstrauen.

 Antwort 

Ein abgeschlossenes Haus oder das geheime Paßwort für den Zugang ins Netz symbolisieren ebenfalls Mißtrauen. Aber ist dieses Mißtrauen denn unberechtigt? Man schließt sein Haus ja nicht ab, weil man seinem Nachbarn nicht traut (obwohl auch für ihn womöglich gilt, daß Gelegenheit Diebe macht), sondern man schließt es ab, weil man der Gesellschaft nicht traut und die Erfahrung uns lehrt, daß man ihr nicht vertrauen kann. Auch wenn wir alle uns eine bessere Welt wünschen, sind wir noch weit von der vollkommenen Gesellschaft entfernt. Selbst wenn der Realname also nur ein Symbol des Vertrauens wäre, stellt sich die Frage, weshalb man Vertrauen und Offenheit symbolisch zum Ausdruck bringen sollte, wo Vertrauen und Offenheit nicht unbedingt hingehören. Gerade Neulinge laufen angesichts dieser vorgetäuschten Vertrauenswürdigkeit Gefahr, mehr über sich preiszugeben, als vielleicht gut für sie wäre.

Genau wie beim Händeschütteln bin ich nicht der Meinung, jeder
Pseudonymposter versuche, etwas vor mir zu verbergen. Aber der
Pseudonymposter sendet durch die Verweigerung der Namensangabe ein Signal
auf der Beziehungsebene, das (wie beim Verweigern des Händeschüttelns)
lautet: ich will nicht offen mit Dir sein.

 Antwort 

Ganz im Gegenteil: Wer seine private Lebensspähre durch ein Pseudonym schützt, tut dies gerade mit der Intention offen und ehrlich sein zu können, ohne mit ungerechtfertigten Repressionen rechnen zu müssen. Und entgegen der These würde er wahrscheinlich auch seinen Namen und allerlei weitere persönliche Informationen offenbaren, wenn es sich um ein persönliches, nichtöffentliches Gespräch oder eine Unterhaltung in kleiner Runde handelte. Die besonderen Eigenschaften des Usenets, wie z.B. die weltweite Verbreitung, die dauerhafte Archivierung in unzähligen öffentlichen und privaten Datenbanken, sowie die allgemeine Recherchierbarkeit dieser Daten rechtfertigen aber durchaus, Maßnahmen zu ergreifen, die z.B. den Mißbrauch dieser Daten weitestgehend verhindern oder die Privatsphäre vor unerwünschten Einflüssen schützen. Wenn diese Maßnahmen außerdem völlig unschädlich für andere Teilnehmer sind und den Meinungs- Wissens- und Erfahrungsaustausch in diesem  Themenorientierten  Medium nicht behindern, sind sie völlig legitim und ermöglichen erst die gewünschte Offenheit.

Ich trete gegenüber Leuten, die mir (bewusst oder unbewusst) solche Signale
senden, eher reserviert auf. Wenn ich merke, dass der andere offenbar gar
nicht das sagen *will*, dann mache ich ihn darauf aufmerksam, dass sein
Kommunikationsverhalten aber bei mir und anderen genau dies *auslöst*, und
dass es daher sinnvoll ist, den Realnamen anzugeben.

 Antwort 

Die Reserviertheit von der hier die Rede ist, entseht aus dem oben angeführten Unverständnis für die wirkliche Motivation des Namenlosen. Dieser möchte in der Regel nicht den jeweiligen Kommunikationspartnern das persönliche Mißtrauen ausprechen, ihnen auf die Füße treten oder die Namenlosigkeit bewußt zu destruktiven Zwecken mißbrauchen. Er mißtraut aber völlig zurecht der anonymen Öffentlichkeit und übt sich deshalb in Datensparsamkeit. Er entzieht den anonymen Mitlesern durch das Verschweigen seines Namens die Möglichkeit, Recherchen über seine persönlichen Lebensumstände anzustellen. Dieser Entzug wird im deutschsprachigen Usenet leider wirklich als das Vorenthalten von Daten verstanden, auf die man einen Anspruch zu haben glaubt.

 
 

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