|
Der Gurt |
Alle oben genannten Verhaltensweisen sind mit einem Risiko behaftet. Das heißt natürlich keineswegs, daß ihnen die auf dem Sims liegende Geldbörse wirklich gestohlen wird. Und das Fahren ohne Gurt oder Helm bedeutet nicht zwangsläufig, daß Sie im Falle eines Unfalls wirklich verletzt werden. Aber es sind Risiken, die sich mit geeigneten Mitteln minimieren lassen. Und es ist alleine Ihre Entscheidung, ob sie solche Maßnahmen für erforderlich halten, oder ob Sie vielleicht zugunsten anderer Vorteile darauf verzichten wollen. Das Pseudonym im Usenet ist eine solche Maßnahme, die sich gut mit dem Sicherheitsgurt vergleichen läßt. Die Maßnahme ist preiswert, einfach und dem Medium angemessen, wie ein Blick über den Tellerrand des de-Usenets hinaus beweist. Vor allem schadet sie auch niemandem. Dafür bietet sie - ebenso wie der Gurt im Auto - natürlich keinen hundertprozentigen Schutz. (vgl.: FAQ, Punkt 9) Ein Schirm ist zweifellos ein schlechtes Dach. Aber er schützt gut vor Regen.
Leider richten sich Realnamehinweise vor allem an Neulinge im Netz. Newbies, die ihrem gesunden Menschenverstand folgend mißtrauisch waren, diesem neuen Medium mit der gebotenen Vorsicht begegneten und instinktiv erst einmal ein Pseudonym statt des richtigen Namens eingegeben haben. Diese Neulinge haben die Risiken, die sich aus der Veröffentlichung persönlicher Daten ergeben, meist noch gar nicht realisiert und doch sollen sie sie nach dem Willen des Hinweisers schon unbesehen eingehen.
Man könnte angesichts dessen wenigstens meinen, daß im Rahmen der Realnamehinweise nicht nur die
Vorteile, sondern auch die Nachteile genannt werden. Aber weit gefehlt. Im Gegenteil werden sie nicht nur verschwiegen,
sondern auf Nachfrage sogar geleugnet. Noch schlimmer: Das deutschsprachige Usenet wird als eine Oase des Vertrauens
dargestellt und der Name zum Symbol dafür erhoben. Es sei unhöflich, so argumentiert man, den Realname
zu verschweigen. Es wäre, als schlage man eine ausgestreckte Hand aus.
(vgl.: Händeschütteln
Wer unter einem Pseudonym schreibt, sei feige und hätte im Netz nichts verloren. Das Risiko, aufgrund der Netzaktivitäten Probleme zu bekommen, gehöre zu den Eigenschaften des Netzes und müsse deshalb hingenommen werden, argumentieren die Verfechter des Realnames. Doch dieses Argument ist nicht nur kindisch und dumm, sondern schlichtweg falsch. Es wäre, als sagte man, das Risiko verletzt zu werden, gehöre zu den Gefahren des Straßenverkehrs und man müsse es deshalb entweder völlig ungeschützt eingehen, oder aber auf die Teilnahme am Straßenverkehr ganz verzichten.
Und leider werden wir die perfekte Gesellschaft auch nicht bekommen, indem wir durch den freiwilligen Verzicht auf Datenschutz einfach so tun, als gäbe es sie schon. Was wir damit wirklich erreichen, ist nicht die Erschaffung der herbeigesehnten Gesellschaft in der es nur aufrichtige und ehrliche Menschen gibt und in der man deshalb keinen Datenschutz braucht, sondern nur eine ziemlich gefährliche Illusion derselben. Es ist geradewegs so, als ob man sein Auto nicht abschließt, weil man sich eine Welt wünscht, in der es nicht nötig ist, sein Eigentum zu schützen. Solange man sich damit nur selbst belügt und auf eigenes Riskio handelt, spricht nichts dagegen... |
|
|
|