dsnu oder dsnm?

s gibt kein Thema im Usenet, für das sich nicht die geeignete Gruppe finden ließe. Das ist der Vorteil der sog. Themenorientierung. Um die Wahl der richtigen Gruppe für den Meinungs- Wissens- und Erfahrungsaustausch zu erleichtern, gibt es für jede Gruppe eine sog. Charta. Sie umreißt mit wenigen Worten das Themengebiet der Gruppe. Nun sind hinsichtlich der Realname-Diskussion in letzter Zeit Meinungsverschiedenheiten darüber aufgekommen, in welcher Gruppe dieses Thema diskutiert werden sollte. Bisher war es üblich, das Thema in der Gruppe <de.soc.netzkultur.umgangsformen> zu diskutieren. Jedoch sind aufgrund gewisser Überlegungen durchaus Zweifel angebracht, ob diese Gruppe wirklich die geeignete Gruppe für dieses Thema darstellt.

Charta der Gruppe de.soc.netzkultur.umgangsformen

 Höflichkeit im Netz 

Thema dieser Gruppe sind die Umgangsformen, das höfliche Verhalten im Netz, das man normalerweise unter dem Stichwort "Netiquette" zusammenfasst. Dies umfasst schriftlich fixierte Fassungen der Netiquette ebenso wie ungeschriebene Höflichkeitsregeln. Auch der Status und die (Un-) Verbindlichkeit der Netiquette können hier diskutiert werden. Diskussionen über höfliches Verhalten, die sich in anderen Gruppen ergeben und die dort off-topic sind, können und sollen hierher umgelenkt werden.

Gemäß der Tagline ist die Gruppe dsnu für Diskussionen rund um die Höflichkeit im Netz vorgesehen und auf diesen Themenbereich begrenzt. Eröffnet man in dieser Gruppe eine Diskussion oder leitet eine laufende Diskussion aus einer anderen Gruppe nach dsnu, bringt man alleine damit bereits zum Ausdruck, der Meinung zu sein, die Diskussion berühre ausschließlich Höflichkeitsaspekte. Und in der Tat scheint unter den Anhängern der Realnamebefürwortung die Meinung vorzuherrschen, die Preisgabe des Namens sei tatsächlich nur eine reine Höflichkeitsgeste, die nichts weiter als den Willen und die Fähigkeit zur Anpassung kostet.

as trifft aber keineswegs zu, denn anders als in der kleinen, überrschaubaren Runde kann die Preisgabe personenbezogener Daten in öffentlichen Kommunikationsnetzen mit schwerwiegenden Nachteilen und unkalkulierbaren Risiken behaftet sein. Die besonderen Umstände des Usenets, nämlich daß die Kommunikation an der Öffentlichkeit stattfindet, daß alle Beiträge in unzähligen privaten, staatlichen sowie kommerziellen Archiven gespeichert und ausgewertet werden, ergeben völlig andere Rahmenbedingungen, als die der privaten Komunikation, die oft vergleichend herangezogen werden. Diese besonderen Umstände rechtfertigen nicht nur die Wahrnehmung des Rechts auf informationelle Selbstbestimmung, sondern lassen sie sogar geboten erscheinen. Datenschutzexperten sind sich deshalb einig und raten ausdrücklich dazu, in derartigen Netzen nicht unter wirklichem Identitätsbezug zu kommunizieren. Die rein emotional begründete Behauptung, die Nichtnennung des Namens sei unhöflich, ignoriert diese rationalen Argumente völlig und ist daher wegen der sträftlichen Mißachtung dieser besonderen Umstände schlichtweg falsch. Datenschutz kann unter diesen Umständen nicht unhöflich sein (vgl.:<hoeflich.htm>).

Der Nachweis ist allein durch die Erkenntnis zu führen, daß man auch ohne namentliche Bekanntheit höflich und zuvorkommend miteinander umgehen kann und dies im Alltagsleben sogar der Normalfall ist (vg.: <anonheft.htm>). Auch die Tatsache, daß der Schutz der Privatsphäre durch die Verwendung eines Pseudonyms in fast allen anderen vergleichbaren Datennetzen allgemein als schutzwürdiges Interesse anerkannt und respektiert wird, verdeutlicht die verschrobene Sicht der Realnamebefürwortung. Sie entlarvt das Höflichekeitsargument als Hilfskonstrukt, das offenbar nur dem Zweck dient, neue Teilnehmer einzuschüchtern und sie auf diesem Wege zur Preisgabe der Identität zu bewegen. Wer möchte schon unhöflich sein?

enn überhaupt, dann ist die Realnamefrage höchstens periphär eine Frage der Höflichkeit, nämlich dann, wenn man argumentieren möchte, daß die Einhaltung der <alten Kirchwitz-Netiquette> per se höflich sei. Doch selbst diese Annahme ist höchst zweifelhaft, denn die Empfehlung zur Preisgabe des Namens hatte in der alten Kirchwitz-Netiquette eigentlich gar nichts zu suchen. Angesichts der oben dargelegten Umstände ist es sicher kein guter Rat, neuen Teilnehmern ohne die notwendige Kenntnis der persönlichen Umstände die Preigabe personenbezogener Daten zu empfehlen. Die alte Kirchwitz-Netiquette rät in Punkt 1 die Achtung des Menschen. Doch die Achtung des Menschen gebietet auch, seine schutzwürdigen Interessen zu respektieren, solange die Wahrnehmung derselben nichts und niemandem schadet. Die Realnameempfehlung der NQ verbreitet und nährt daher nicht nur alte <Vorurteile>, sondern ist in sich selbst wiedersprüchlich. Warum die alte Kirchwitz-Netiquette dennoch nicht hinterfragt und ggf. korrigiert wurde und jegliche Versuche der Einflußnahme durch die Moderation der Gruppe <de.admin.news.announce> konsequent und systematisch <verhindert> wird, ist ebenso eine Frage der Netzpolitik und der Netzkultur, wie die Realnamediskussion selbst. Und dafür gibt es die passende Gruppe: <de.soc.netzkultur.misc>.

Charta der Gruppe de.soc.netzkultur.misc

 Sonstige Netzkultur- und Netzpolitik-Themen 

Diese Gruppe bietet - sofern dazu keine speziellere Gruppe existiert - Raum für Debatten über alle gesellschaftlichen Aspekte der Vernetzung, insbesondere über Kultur und Politik in Computernetzen und um sie herum. Sie dient der Diskussion über die eigene, innere Ordnung, ihre Prinzipien und den selbstorganisierten Wandel von Computernetzen wie dem Internet. Als Usenet-Gruppe ist diese Gruppe außerdem ein Ort für die Diskussion um gesellschaftliche, (netz-) politische, technische und administrative Aspekte des Usenets im Allgemeinen und aktuelle Zukunftsfragen im Besonderen. Im Unterschied zu de.admin.news.ALL werden hier nicht die Alltagsgeschäfte der Selbstverwaltung diskutiert und betrieben.

Nun stören sich einige Regulars daran, wenn Realnamediskussionen in dsnm geführt werden. Von Netzmißbrauch ist die Rede und auch Abuseandrohungen wurden bereits ausgesprochen. Man kann darüber sicher unterschiedlicher Meinung sein, welche der beiden Gruppen nun eher geeignet ist. Aufgrund obiger Überlegungen ist jedoch sicher, daß Realnamediskussionen in dsnm nicht Offtopic sind.

 
 

Startseite   Winfried Wacker 2006