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Hinweis
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Anatomie des Realnamehinweises
Satire von Winfried Wacker
Der Aufbau des Realnamehinweises ist enorm wichtig, denn er sorgt dafür, daß der Behinweiste nichts über
die wahre Motivation des Hinweisgebers erfährt. Die im Hinweis enthaltene Kritik muß so geschickt verborgen werden,
daß der Betroffene dem Irrtum erliegt, der Hinweiser selbst habe überhaupt kein Interesse am Realname. Im Idealfall
fühlt sich der so kritisierte Neuling sogar zu Dank verpflichtet.
So funktioniert der Realnamehinweis:
unächst muß dem Pseudonymbenutzer ein
schlechtes Gewissen eingeredet werden. Man muß ihm klarmachen, daß er böse ist. Dazu nimmt man
zweckmäßigerweise die alte Kirchwitz-Netiquette, die von vielen schlechten Erfahrungen aus der guten alten Mailboxszene erzählt.
Falls das nicht ausreicht hilft es, von den eigenen schlechten Erlebnissen oder - besser noch - von den vielen,
vielen schlechten Erfahrungen der allermeisten Regulars zu berichten.
Der pseudonyme Neuling muß einsehen, daß nicht erst das schlechte Benehmen böse ist, sondern schon
das Pseudonym, welches ihm ein solches Benehmen eventuell erleichtern könnte.
Als recht erfolgreich hat es sich in der jüngeren Zeit auch erwiesen, dem pseudonymen Neueinsteiger klarzumachen, daß
er nicht einfach nur böse ist, sondern auch noch die allermeisten Teilnehmer im Usenet beleidigt, indem er ihr
Höflichkeitsempfinden verletzt. Diese Strategie ist deshalb so erfolgreich, weil sich die subjektive Wahrnehmung von
Höflichkeit jeglicher Gegenargumente entzieht. Sie ist schlichtweg Indiskutabel und als Argument unwiderlegbar. Klasse!
un, da der pseudonym schreibende Autor weiß, daß
er böse ist, versteht er natürlich und ist bereit, der Tatsache ins Auge zu sehen, daß die meisten Menschen nichts mit
ihm zu tun haben wollen. Wo im wirklichen Leben die Straßenseite gewechselt wird, benutzt man im Usenet Filter. Natürlich
weiß niemand, wieviele Menschen metaphorisch gesprochen die Straßenseite wechseln. Es ist deshalb kein Fehler und bietet
sich dem Hinweiser an, diesbezüglich einen breiten Konsens zu behaupten. Dies verstärkt nicht nur die suggerierte
Boshaftigkeit und das schlechte Gewissen des pseudonymen Schreibers, sondern auch die Mauer, der er sich im übertragenen Sinne
gegenübergestellt sieht. Etwaige Bedenken, der Behinweiste könnte bemerken, daß der behauptete Konsens in Wirklichkeit
gar nicht so breit ist, sind grundlos. Denn dem Neueinsteiger wird von den toleranten Lesern in der Regel ja nicht explizit mitgeteilt, daß
er mit seinem Pseudonym akzeptiert wird. Etwaige Reaktionen die sich auf das Pseudonym beziehen werden deshalb immer negativ sein und
damit den behaupteten Konsens bestätigen.
Jetzt, wo dem Neuling die Augen geöffnet wurden und er glaubt, ganz alleine dazustehen, ist der große Moment für die
Selbstdarstellung des Retters gekommen. Denn er, der Hinweiser, hat die Straßenseite nicht gewechselt und steht dem Greenhorn
hilfreich zur Seite. Dafür muß man ihm einfach dankbar sein!
or lauter Dankbarkeit wird der Behinweiste nur selten Diskrepanzen
bemerken. So z.B. daß der Hinweiser, der ja selbst offensichtlich keinen Filter benutzt und dem pseudonymen Autoren antwortet,
nicht den postulierten Konsens mitträgt und sich daher selbst widerspricht. Oder daß die Anonymität in unserer
Gesellschaft die Regel und nicht etwa die Ausnahme ist. Er wird vielleicht auch nicht von selbst darauf kommen, daß die namentliche
Bekanntheit für den Meinungs- Wissens- und Erfahrungsaustausch nicht erforderlich ist. Ein guter Realnamehinweis zeichnet
sich also dadurch aus, daß der Behinweiste wegen seines schlechten Gewissens und aus Dankbarkeit nicht weiter nachdenkt und
sich aus pragmatischen Gründen für die Angabe seines Namens entscheidet. Unter keinen Umständen darf der
Realnamehinweis deshalb sachliche Informationen enthalten, die den Erfolg des Hinweises vereiteln könnten.
s verbietet sich daher auch, auf die wahren Eigenschaften des Netzes
einzugehen. Der Neueinsteiger darf z.B. nicht erfahren, daß seine Beiträge nicht nur von den Mitdiskutanten des jeweiligen Threads
gelesen werden, sondern auch von einer anonymen Menge der Größe X. Vielleicht sogar von seinem Arbeitgeber oder seinen
Nachbarn, die sich natürlich über den willkommenen (und sich bei Gelegenheit zum Vorteil verwandelbaren) Wissensvorsprung
freuen. Wissen ist Macht! Die Legende, wonach ausgerechnet das
deutschsprachige Usenet ein Netz des Vertrauens sei, muß unbedingt aufrecht erhalten werden!
(vgl.: Oliver
Dings Realname-Faq Punkt c).
Der Hingewiesene braucht übrigens auch nicht zu wissen, daß die Angabe des Realnames keinesfalls eine verbindliche Plicht ist.
Militärisch knappe Hinweise wie z.B.
Hier gehört Dein Name hin! , die an das Gehorsam
apellieren sind daher sehr gut geeignet, um noch unsichere Greenhorns einzuschüchtern. Es reicht schließlich noch, wenn der
Neuling von der Freiwilligkeit und den Nachteilen, die mit der öffentlichen Identifizierbarkeit verbunden sind, erfährt,
nachdem er sich dafür entscheiden hat und es kaum noch einen Weg zurück gibt.
Den professionellen Hinweiser erkennt man übrigens daran, daß er seine Realnamehinweise stets öffentlich im Rahmen einer
Sachantwort erteilt. Das Publikum darf dabei jedoch nicht bemerken, daß die sachbezogene Antwort in Wirklichkeit nur eine eigens
konstruierte Plattform war, um den öffentlichen Hinweis zu transportieren, ohne offtopic zu posten. Ein solcher Hinweis wirkt wie eine
unscheinbare Nebensächlichkeit und verbirgt geschickt, daß dahinter in Wirklichkeit der
Versuch eines massiven Angriffs auf die Selbstbestimmung des Behinweisten steckt. Öffentliche Hinweise sind gut für das
Selbsbewußtsein des Hinweisers, denn meistens erntet er Anerkennung für das Sauberhalten des Netzes und den Dank der
bekehrten Schäflein. Hier im Usenet lassen sich daher entsprechende Defizite aus dem realen Leben gut kompensieren!
Gelegentlichen Undank einiger unbelehrbarer Störer nimmt der Hinweiser dafür gerne in Kauf. Wird er mit der Tatsache
konfrontiert, daß sein öffentlicher Hinweis den Empfehlungen der NQ zuwiderläuft, versteht er es geschickt, seine
Kirchwitz-Netiquette-mißachtende Vorgehensweise so zu begründen, daß er abermals als fürsorglicher Helfer erscheint.
Man habe verhindern wollen, daß das E-Mail Postfach des Betroffenen von dutzenden persönlichen Hinweisen verstopft
wird, weshalb man einen öffentlichen Hinweis im Sinne des Hingewiesenen für besser gehalten habe. Öffentliche Hinweise,
pseudonyme oder anonyme Autoren würden nicht gelesen werden, richten sich aber keineswegs nur an den Betroffenen.
Sie sind ein Appell an alle Teilnehmer der Gruppe, die angekündigte "Strafe" zu vollziehen.
ollte nach einem Hinweis dennoch eine Diskussion aufkeimen, gilt es, dem Querulanten klarzumachen, daß er mit seiner Bockigkeit
nur die schlechten Erfahrungen, welche man mit pseudonymen Schreibern gesammelt hat, bestätigt. Bleibt er dennoch stur, muß
man ebefalls Härte zeigen, denn es kann natürlich nicht angehen, daß sich eine Minderheit durch die faktische
Anonymität eines Pseudonyms Vorteile gegenüber der Mehrheit verschafft. Wehret den Anfängen! Zuerst muß
der Querulant in die Gruppe de.soc.netzkultur.umgangsformen überführt
werden. Dies gebietet die Themenorientiertheit des Netzes, hat aber auch den entscheidenden Vorteil, daß in dieser Gruppe
überwiegend die Netzpolizei präsent ist,
deren konzentriertes Auftreten den vorab behaupteten Konsens glaubhaft erscheinen läßt und ein kollektives und konzentriertes
Einwirken auf den Delinquenten ermöglicht. Dieses Einwirken hat nun darin zu bestehen, daß dem Pseudo der Spaß am
Medium genommen wird und er ihm möglichst freiwillig den Rücken kehrt. Prinzipiell funktionieren alle bekannten Arten
des...
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Mobbing
Verteidigt ein Realnamenloser seinen Standpunkt und läßt sich auf eine Diskussion ein, dann ist die Jagd
- Hallali - eröffnet und läuft nach einem uralten Ritual ab: Wer erst mal angeschossen ist, wird nach allen
Regeln der Kunst bedrängt, bedroht in die Enge getrieben und erlegt. Mut ist dabei nicht gefragt denn man schwimmt ja im
sicheren Mainstream. Gerade für die Mitläufer, die sich sonst nichts trauen, muß es ein erhebendes und befreiendes
Gefühl sein, an einem Gestrauchelten sein Mütchen zu kühlen. Nicht anders ist es zu erklären, daß
sonst zuvorkommende und zurückhaltende Netzien plötzlich Blut lecken und unerbittlich nachtreten, auch wenn
der Betroffene längst am Boden liegt. Waidmanns Heil!
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Plonken |
Der pseudonyme Schreiber wird ohne weiteren Grund nur wegen des Pseudonyms öffentlich geplonkt und auf den Nachahmungseffekt
gesetzt. Nichtbeachtung ist eine der schärfsten Maßnahmen in öffentlichen Datennetzen und wird entsprechend
schmerzhaft empfunden. Diese unbarmherzige Holzhammermethode des sofortigen Plonks bietet sich an, um Zeichen zu
setzen.
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Provozieren |
Alternativ kann der pseudonyme Schreiber im Laufe der Realnamediskussion auch kollektiv provoziert und in die Enge getrieben
werden. Im Zustand der Erregung sind ihm dann sehr leicht Äußerungen zu entlocken, die das Bild des pseudonymen
Störenfrieds bestätigen. Der Störer liefert damit selbst den Grund, in den Filtern diverser Regulars zu landen:
Sehr elegant!
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Maßregeln |
Hat der Neueinsteiger noch andere Fehler gemacht, was bei einem Neuling zu erwarten ist, dann kann man ihm sämtliche Fehler
vorhalten. Angefangen von falschen Zeilenlängen über Einleitungsromane und nicht deklarierten Umlauten bis hin zur
fehlerhaften Software. Redet sich der Neuling damit heraus, er habe all dies nicht wissen können, dann wirft man am besten vor,
daß er sich nicht zuvor informiert habe. Viele Neulinge verlieren dann ganz schnell den Gefallen am Usenet.
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Lächerlich machen |
Sehr erfolgreich ist auch die Methode, den pseudonymen Störer der Lächerlichkeit preiszugeben. Indem man herablassend
auf seine Äußerungen reagirert, ihm Lernresistenz oder Dummheit vorwirft. Einweisungen nach
de.alt.gruppenkasper oder ausgestellte Merkbefreiungen bieten sich ebenfalls an.
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Lähmen |
Sehr gut funktioniert auch die Methode, durch sinnentstellendes Quoten der Beiträge des Delinquenten, dessen Aussagen zu
verdrehen und ihm nie gesagte Worte in den Mund zu legen. Er wird sich unablässig rechtfertigen müssen und seine
Glaubwürdigkeit einbüßen. Gleichzeitig wird er durch die Rechtfertigungen daran gehindert, das Usenet selbstbestimmt
zu nutzen. Er wird sich stets in der Rolle des Reagierenden wiederfinden. (Querverweis: siehe Kennst Du Zitate?)
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Aufdecken |
Zeigt sich der Pseudo unbeeindruckt, so werden Header studiert oder private E-Mails
an den noch unwissenden und deshalb völlig unvorbereiteten und damit überforderten
Pseudo geschickt. Ziel ist es, die Identität des Autoren aufzudecken
und in den Newsgroups zu veröffentlichen. Die Entscheidung, den Realname zu benutzen, wird
dem bis dahin pseudonym schreibenden Autoren dadurch schlichtweg abgenommen.
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Abklemmen |
Gibt es keine Möglichkeit, den pseudonymen Schreiber aufzudecken, kann man immer noch die
Abuse-Abteilung des Delinquenten auf dessen Fehlverhalten aufmerksam machen. Von dieser Möglichkeit
der Denunziation wurde in den vergangenen Jahren so
massiv Gebrauch gemacht, daß sich die Administration des Servers
CIS-DFN
angesichts der Arbeitsüberlastung der Abuse-Abteilung nicht anders zu helfen wußte, als die Policy
zu ändern. (vgl. cisdfn.htm).
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iese Maßnahmen bewirken, daß
dem pseudonymen Autoren der Spaß am Usenet genommen wird und ihm das Publikum entzogen wird. Wie
erfolgreich diese Maßnahmen sind, belegt die entsprechende Äußerung eines ziemlich prominenten
Netzien, der da aus seinen Erfahrungen schöpfend schrieb:
ärend der Vorwurf des kollektiven
Mobbings in den meisten Newsgroups natürlich vehement bestritten wird, machen einige Teilnehmer der
Newsgroup de.rec.tiere.aquaristik keinen Hehl daraus und rufen auf
einer eigens erstellten Webseite unverhohlen zum Mobbing auf. Lesen Sie hier weiter.
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